Alte Wege, ganz neu

Der Sommer naht – und die Reiseplanung lässt auf sich warten. Zu ungewiss ist, ob man denn schlussendlich wirklich im gebuchten Flugzeug sitzen, auf der reservierten Liege in der Sonne dösen oder vom Hotelbalkon aus den Möwen beim Fischen zusehen wird können. Das Meer und fremde Städte sind in die Ferne gerückt, eigene Wände und gewohnte Wege zugleich näher. Grund genug, die Lupe auszupacken und sich altbekannte Gassen, Straßen und Häuser genauer anzusehen und neu zu entdecken. Wir haben diesen Versuch mit Hilfe unserer Ausgaben zur Landeshauptstadt der Steiermark, Graz, gemacht und sind erstaunt, welche Geheimnisse inmitten des grünen Herzens ruhen.

Sag mir, wo du wohnst…

… und ich sag dir, wer du bist. Oder so ähnlich, könnte man sich bei der Lektüre des Buchs „Grazer Straßennamen“ von Karl A. Kubinzky und Astrid M. Wentner denken. Erstmals verlegt wurde der umfassende Wegweiser zur Stadt Graz im Jahr 1996 und füllte damit eine Lücke in der Literatur über die steirische Hauptstadt. Offizielle und inoffizielle Bezeichnungen für Straßen, Plätze und Grundstücke finden darin einen Platz und erzählen Geschichten, die einem das eigene Wohnviertel und Parteienhaus von einer neuen Seite zeigen.

So hat die Grüne Gasse im Lendviertel ihren Namen beispielsweise tatsächlich von der Vielzahl an Gärtnern und Gemüsebauern, die sich dort angesiedelt hatten, und die Gegend um den Andreas-Hofer-Platz hätte beinahe Kälbernes Viertel geheißen, hätten sich die ansässigen Fleischhauer und Wirtschaftstreibenden nicht dafür blamiert. Die „Grazer Straßennamen“ halten für jeden Weg eine Geschichte bereit – über 500 Seiten, um sich durch die Gassen zu lesen.

Ein besonderer Tipp für Experimentierfreudige: Wer Graz durch die Augen eines weitgereisten Touristen kennenlernen möchte, kann sich die Hauptstadt durch unseren chinesischen Reiseführer vergegenwärtigen. Grundkenntnisse der chinesischen Sprache sind von Vorteil.

Lebhaftes aus Vergangenheit und Gegenwart

Aber was wären die Straßen und Plätze ohne die Menschen, die sich in und auf ihnen tummeln? Einen Blick auf die städtischen Treffpunkte und gesellschaftlichen Bedeutungen der öffentlichen Räume wirft das Buch „Brücken – Bäder – Boulevards“, welches im Zusammenhang mit der gleichnamigen Ausstellung des GrazMuseums im Herbst 2019 publiziert wurde. Im Vordergrund stehen die Menschen und ihre Verhaltensweisen zwischen dem Beginn des 19. Jahrhunderts und dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Nach dieser Lektüre erscheint keine Brücke und kein städtisches Bad wie zuvor – ein Augenöffner für das Leben vor der Zweiten Republik.

Wo damals Grafen und Adelige wandelten, prägt im Herbst jeden Jahres ein ganz besonderes Spektakel die steirische Hauptstadt: Das Volkskulturfestival Aufsteirern. Im gleichnamigen Buch werden die Traditionen und Bräuche der Steiermark vorgestellt und essayistisch von steirischen Autorinnen und Autoren aufgearbeitet. So treffen sich Geschichte und Tradition und verdeutlichen einmal mehr, dass die weiten Landschaften des grünen Herzens auch die Hauptstadt nicht ungezeichnet lassen.

Spezielle Blicke

Graz besteht aber nicht nur aus einer Geschichte und einer Gegenwart. Es sind die unterschiedlichen Blickwinkel auf die Landeshauptstadt, die ihre Gesamtwahrnehmung maßgeblich beeinflussen. So finden sich in unserer Publikationsliste auch spezifische Werke, die sich einem Thema widmen und zum Verständnis der Stadt beitragen:

Musikalische Perspektiven werden in dem Buch „City of Jazz“ von Michael Kahr aufgegriffen, das Graz als Jazz(haupt)stadt vorstellt und die Jazzszene mit der allgemeinen Kulturlandschaft der Stadt verknüpft. Die Geschlechterrollen, die Mann und Frau in der Stadt einnehmen, werden in dem 47. Band des Historischen Jahrbuchs der Stadt Graz besprochen und beleuchten bisher im Dunkeln gelassene Aspekte der Stadtgeschichte. Einem andersartig dunklen Kapitel widmet sich der Band „Lager Liebenau“ von der Wissenschafterin des Jahres 2019, Barbara Stelzl-Marx. Das Buch deckt die Geschichte des größten NS-Zwangsarbeiterlagers in Graz auf und liefert mit neu aufgefundenen Archivdokumenten wesentliche Teile zur Aufarbeitung dieser Zeit.

Es ist dieses umfassende Sammelsurium, das die steirische Landeshauptstadt in all ihren Facetten zeigt. Stöbern Sie in unserer regionalen, geschichtlichen und gesellschaftlichen Ecke und erleben Sie die Hauptstadt des grünen Herzens von einer neuen Seite. Ungeliebten Urlaubsstornokosten sei damit gut vorgebeugt.

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Newsletter

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter und verpassen Sie keine Neuigkeit oder Aktion mehr von Leykam Buchverlag.