Der Weg des Buchs: Das Lektorat

Willkommen zum zweiten Teil unserer Blog-Serie „Der Weg des Buchs“. Hier erleben Sie das Medium Buch von der ersten Sekunde bis zu Ihrem Leseerlebnis. In der ersten Episode haben wir uns mit dem Manuskript beschäftigt: Wie beginnt man eigentlich, ein Buch zu schreiben? Wo tanken Autor*innen Inspiration? Und wie wird aus der Idee der erste Satz? In dieser zweiten Episode machen wir den nächsten Schritt und werfen einen Blick auf den für Endkund*innen oft unsichtbaren Teil der Entstehungsgeschichte, das Lektorat. Vorhang auf!

Lek|to|rat, das

Wenn die Autorin mit ihrem Werk zufrieden ist und das Manuskript somit fürs Erste als „fertiggestellt“ bezeichnet werden kann, kommt das Lektorat zum Zug. Es handelt sich hierbei um eine Textoptimierung, sowohl inhaltlicher, stilistischer als auch sprachlicher Natur. Im Gegensatz zum Korrektorat, welches sich auf Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung beschränkt, umfasst das Lektorat auch Wortwahl, Ausdruck, Satzstellung und wirft einen Blick auf das große Ganze eines Texts. Ziel ist es, den Text – sei es Roman, Sachbuch, Wissenschaft oder anderes – in seiner Gesamtheit zu verstehen und das beste sprachliche Ergebnis für ihn zu erzielen. Den Blick hinter die Kulissen machen wir im Folgenden mit zwei dem Verlag verbundenen Lektorinnen, Gundi Jungmeier und Rosemarie Konrad.

So gut wie möglich

Durch den technischen Fortschritt wurde die Arbeit des Lektors/der Lektorin größtenteils von (Rot-)Stift und Blatt Papier auf den Bildschirm verschoben. Germanistin und Lektorin Rosemarie Konrad setzt aber nach wie vor gerne zuerst auf eine ausgedruckte Version. Nachdem diese mit Notizen versehen wurde, bespricht Konrad den Text mit dem Autor/der Autorin. „Ich muss ja wissen, wie er oder sie tickt, seine oder ihre Intentionen, wie weit ich gehen darf. Ich muss mich auf seinen oder ihren Stil einstellen: Was darf ich ändern, was nicht?“, so Konrad. Dann macht sie allfällige Umformulierungen, Streichungen und Korrekturen in einem Word-Dokument. Die Druckfahne, also den fertigen Text im Layout, schaut sie sich trotzdem gerne wieder ausgedruckt an.

Historikerin und Lektorin Gundi Jungmeier arbeitet fast ausschließlich in der Korrekturfunktion mit Standardprogrammen am Computer, das heißt, die Änderungen, die sie am Text durchführt, sind danach für alle Involvierten – Autor, Verlag, usw. – nachvollziehbar. Um den Autor/die Autorin nicht vor den Kopf zu stoßen, begründet sie ihre Änderungsvorschläge direkt im Dokument, da der persönliche Kontakt zum Urheber/zur Urheberin nicht immer gegeben ist. „Ich möchte nicht, dass die Autorinnen und Autoren frustriert oder entmutigt sind, wenn es viele Änderungen gibt. Ich arbeite für sie, damit ihre Texte am Ende so gut wie möglich werden“, so Jungmeier.

Dass auch bei dem finalen „Buchstabenklauben“ – wie Konrad den letzten Lektoratsdurchgang bezeichnet – manchmal ein Fehler durch den Rost rutscht, ist aber fast unabwendbar. „Ein herausstechender Moment war für mich der Schreck vor Jahren, als ein Buch frisch aus der Druckerei kam und im ersten Satz – trotz Korrektur – ein ganzes Wort fehlte“, so Konrad. „Aber die schönen Momente überwiegen.“

Heilige Worte

Bevor Jungmeier sich als Texterin und Lektorin selbstständig machte, arbeitete sie in Bereichen, in denen jedes Wort auf die Waagschale gelegt werden kann, zum Beispiel Öffentlichkeitsarbeit. „Das verändert die Wahrnehmung von Texten und schärft den Blick ungemein“, blickt Jungmeier zurück. Besonders Bücher und Schriften, die lange in Wohn- und Arbeitszimmern und Bibliotheken bleiben, sollten daher korrekt geschrieben sein. Fragwürdige Inhalte und unseriöse Medien störten sie aber mehr als vereinzelte Tipp- und Rechtschreibfehler, so Jungmeier.

Für Konrad ist das gedruckte Wort sogar „so etwas wie heilig“. Sie bedauert, dass die Schnelllebigkeit des Internets den Schritt des Lektorats oder Korrektorats nur selten zulässt. „Würde jeder Text durch die Hände eines guten Lektors gehen, dann würde es nicht so viele unsinnige, widersprüchliche und falsche Informationen geben“, so Konrad. „Durch das Wort beeinflusst man das Denken. Also muss man es mit größter Sorgfalt behandeln.“

Zeit und Raum

Für Jungmeier und Konrad spielt Zeit eine wichtige, wenn auch unterschiedliche Rolle. „Die größte Herausforderung ist, wenn das Lektorat zu einem falschen Zeitpunkt verlangt wird. Wenn der Text noch nicht fertig ist und laufend daran gearbeitet wird, ist es zu früh; wenn das Layout schon fertig ist, kann es aber auch schwierig sein, denn die Möglichkeiten für Änderungen sind dann limitiert“, beschreibt Jungmeier die Hürden ihres Berufs. Die Gleichzeitigkeit der zu bearbeitenden Projekte und der Ausgangszustand sind weitere Herausforderungen, denen die Lektorinnen in ihrer Karriere laufend begegnen.

Örtlich bringt der Beruf der Lektorin durchaus Vorteile mit sich, vor allem in der derzeitigen Ausnahmesituation veranlasst durch das Coronavirus. Durch Home-Office wird die Wegzeit zum Arbeitsplatz eingespart und es macht auch nichts, ein Morgenmuffel zu sein. Aber Home-Office hält auch Tücken parat: „Hin und wieder wäre es gut, Kolleginnen oder Kollegen zu haben, um schnell eine Meinung zu einem Thema einzuholen, aber auch aus persönlichen Gründen“, erzählt Jungmeier und auch Konrad freut sich über jeden Auswärtstermin. Die nötige Disziplin für die Heimarbeit will ebenso gelernt sein, weiß Jungmeier: „Ich muss bei mir und anderen sehr konsequent sein. Man hat nicht automatisch Zeit, um allerhand für Familie und Freunde zu organisieren. Das hat sich zum Glück aber sehr rasch gut eingependelt.“

***

In der nächsten Episode geht es weiter mit den äußeren Werten des Buchs: Wir werfen einen Blick auf Covergestaltung und Layout. Bald hier auf www.leykamverlag.at zu lesen!

 

Foto Gundi Jungmeier © Ulla Sladek
Foto Rosemarie Konrad © privat

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