Der Weg des Buchs – Layout und Cover

Willkommen zum dritten Teil unserer Blog-Serie „Der Weg des Buchs“. Hier erleben Sie das Medium Buch von der ersten Sekunde bis zu Ihrem Leseerlebnis. In den vorangehenden Episoden haben wir uns mit dem Manuskript und mit dem Lektorat befasst: Wovon lassen sich Autor*innen inspirieren und wie beginnt man mit dem Schreiben? Was sind die Herausforderungen und Chancen eines Lektorats und wann ist der beste Zeitpunkt dafür? In dieser dritten Episode machen wir den nächsten Schritt und werfen einen Blick auf die grafisch anspruchsvollen Schritte des Buchlayouts und der Covergestaltung. Vorhang auf!

Das tragende Gerüst

Worauf kommt es bei der Gestaltung des Covers wirklich an? Wie wählt man den passenden Schrifttyp für Innenteil und Umschlag? Mit welchen Herausforderungen sieht man sich in der Buchgestaltung konfrontiert? Um Antworten auf diese Fragen und mehr zu bekommen, haben wir mit den erfahrenen und ambitionierten Grafikerinnen und Buchdesignerinnen Adriane Egger und Andrea Malek gesprochen.

Für Egger war eine Karriere im Designbereich quasi vorprogrammiert. Sie absolvierte eine Designausbildung an der Ortweinschule für Kunst und Design in Graz, arbeitete in verschiedenen Werbeagenturen und Gestaltungsbüros, und gründete letztendlich 2004 mit Martin Hofbauer das Designbüro TASKA. Auch einen Master in Designing Digital Business zählt sie zu ihren Qualifikationen. Malek blickt auf eine typografische Ausbildung und Lehre in einer kleinen Druckerei zurück, arbeitete anschließend bei einem Verlag und ist nun seit 16 Jahren selbstständig mit Schwerpunkt auf Buchdesign.

Für beide Designerinnen spielen Cover und Layout in der Buchentstehung eine wichtige Rolle. Sie sind das „tragende Gerüst“ für den Kern des Buchs. „Das Cover entscheidet maßgeblich, welches Buch ich in die Hand nehme und – nachdem ich den Inhalt durchgeblättert und quer gelesen habe – schlussendlich auch kaufe“, so Malek. Daher nehmen sich beide auch gerne etwas mehr Zeit, wenn es um die optimale Ausarbeitung geht. „Im besten Fall sollte man jedes Manuskript zur Gänze lesen und sämtliches Bildmaterial sichten“, weiß Egger. „Dann ist Buchgestaltung auf hohem Niveau möglich.“

Schönheit ist intuitiv

Welche gestalterischen Details aber bewirken, dass wir ein Buch in die Hand nehmen? Die Grafikerinnen bedenken hierbei ein harmonisches Zusammenspiel von Format, Satzspiegel, Typografie und Material. Aber die empfundene Schönheit von Büchern ist schwer greifbar und – vor allem – subjektiv. „Die Ästhetik eines Buches ist am Ende immer soziokulturell geprägt und von der subjektiven Wahrnehmung abhängig“, so Egger. Die Schönheit eines Buchs werde von den LeserInnen oft auch intuitiv wahrgenommen.

Um seine eigene subjektive Wahrnehmung bei der Gestaltung von Cover und Innenteil zurückzunehmen und die „Rolle“ als Buchdesignerin spielen zu können, ist eine eindringliche Auseinandersetzung mit dem Inhalt und der ermittelten Zielgruppe von großer Bedeutung. Hat man beide Aspekte verinnerlicht, kann die Gestaltung beginnen. Das Handwerkzeug ist dann für beide größtenteils die Adobe Creative Suite, auch wenn Malek hin und wieder gerne ihren Zeichenblock zur Hand nimmt und die ersten Skizzen mit dem altbewährten Bleistift anfertigt.

Tausende Möglichkeiten

Eine Herausforderung in der Layout- und Covergestaltung ist mit Sicherheit die große Auswahl an Möglichkeiten. Tausende Schriftarten und noch mehr Farbtöne gilt es zu berücksichtigen. Um dieser Fülle an Designvarianten bei der Arbeit am Cover zu begegnen, gilt vor allem eines: Fokus setzen. Das Verhältnis der einzelnen Gestaltungselemente sei entscheidend, so Malek. Egger unterstreicht dieses Gebot: „Gut beraten ist, wer nicht allen Elementen auf einem Cover den gleichen Stellenwert gibt. Spannung entsteht durch die unterschiedliche Gewichtung der Bausteine.“

Auch für die Gestaltung des Innenteils gilt es, die unterschiedlichen Komponenten in ein passendes Verhältnis zueinander zu bringen. Die Wahl der Schriftart – mit Serifen beispielsweise bei Belletristik, gerne aber ohne bei wissenschaftlichen Titeln –, die Freiräume zwischen Text und Bild, aber auch die Einstellung der Zeilenabstände sollten bedacht werden. Gelernte Regeln und Anwendungen sind hierbei nur ein Teil der Lösung; für Egger ist auch das eigene ästhetische Empfinden ausschlaggebend.

Einmal drüber schlafen

Nach Gesprächen mit der entsprechenden Schriftstellerin oder dem Schriftsteller und dem zugehörigen Verlag, manchmal auch mit der Druckerei, werden dann die ersten Entwürfe angefertigt. Manchmal sind diese schon nah am Endergebnis, manchmal werden noch etliche Änderungen gemacht, Entwürfe verworfen und neu gestaltet. Hat man einmal drüber geschlafen und gefällt einem das Ergebnis am nächsten Tag noch immer, ist man aber – wie in so vielen Bereichen in Beruf und Leben – auf der richtigen Spur.

Foto Adriane Egger und Martin Hofbauer © Christopher Mavric
Foto Andrea Malek © Martin Hofbauer

 

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