Die Bücher unserer Autor*innen

Haben Sie sich immer schon gefragt, welche Bücher Autoren und Autorinnen eigentlich lesen? Welche Schätze sich in ihren Bücherregalen tummeln? Und wie sie ihre Bücher eigentlich erstehen? Wir haben uns bei einigen unserer Schreiber und Schreiberinnen umgehört. Das Ergebnis ist ein buntes Bild verschiedenster literarischer und historischer Sammlungen und ebenso vielfältige Geschichten dazu. (Tipp: Wenn Sie mit der Computermaus über ein Bild neben dem Text fahren, sehen Sie, welches Bücherregal das Foto zeigt.)

In alphabetischer Reihenfolge…

Janko Ferk

„In dieser Wand stecken meine Bücher wie Ziegel, die man herausnehmen kann. Besser wäre es, wenn das Lesen ansteckender wäre als Corona!"

Gudrun Fritsch

„Dem Analogen und Taktilen hab' ich mich bedingungslos verschrieben,
Eselsohren, Kritzeleien, Seitenknistern, Blätterrauschen –
Und dieser WUNSCH nur-Wumm! und peinlich unbescheiden:
Ein zweites Leben zum NACH-LESEN (wichtig), NEU-LESEN (endlich),
FERTIG-LESEN (überfällig), TIEFENBOHRUNGS-LESEN (lebenswichtig)…
Wo ist mein Dschinn?"

Valerie Fritsch

„In meiner Literatursammlung herrscht weniger Ordnung, als übermütiges Wachstum. Es gibt Stapel, Türme, Reihen und Haufen, auf dem Schreibtisch und dem Boden, sommers am Balkon, und wenn ich schreibe, begrabe ich gerne ganze Räume unter Büchern, und auch das Regal ist ein organischer Ort, wo in Whiskygläsern Kakteen neben Faust anwurzeln, Polaroidkameras auf alten Zeitschriften wohnen, Gedichtbände neben furchtbar vielen Reiseführern stehen."

Otto Hochreiter

„Wer Literaturwissenschaft studiert, am Museum moderner Kunst und an einem Opernhaus gearbeitet hat, Bildwissenschafter ist und aktuell ein historisches Museum leitet, braucht sich keine Interessensgebiete zurechtzulegen. So gibt es in meinen auf Wohnungen und Büros in Graz und Wien verstreuten Bücherwänden natur-gemäß etliche nützliche kleine Fachbibliotheken. Das Spannendste sind aber die nicht einzuordnenden Zwischenräume inmitten dieser Bücherinseln – Ergebnisse ständigen Stöberns in heimischen und internationalen Buchhandlungen. Die wirklich interessanten Bücher findet man nicht durch Suchen, sie müssen einem zustoßen."

Margarita Kinstner

„Literatur ist für mich keine starre Bücherwand sondern etwas, das im Fluss bleiben muss. Dazu gehört der Austausch ebenso wie Gebrauchsspuren am Buch.

Wer wissen will, was ich lese, muss fragen und darf nicht auf mein Ikea-Regal schauen. Dort findet man heute nämlich nur noch einen kleinen Rest meiner alten Bibliothek, der mit nach Graz übersiedeln durfte. Neu dazu kommen heute Rezensionsexemplare, Neuerscheinungen von befreundeten Kolleg*innen und Bücher, die mir meine Mutter in die Hand drückt oder die ich in öffentlichen Regalen finde. Wenn es zu eng wird, findet wieder eine Aussiedelung statt, in eines der öffentlichen Regale in der Stadt."

Daniela Leinweber

„Ich lese sehr gerne über die Abenteuer anderer in der Natur oder in fremden Ländern, gerne auch, wenn sie dabei über ihre Grenzen gehen müssen. Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig und überlege mir vor dem Lesen genau, in welche Welt ich jetzt gerade eintauchen möchte. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Bücher auf meinem Nachtkasterl wiederfinden. Wenn ich weiß, ich werde ein Buch nicht mehr lesen oder als Nachschlagewerk nutzen, bringe es in die Bücherbox unserer Stadt und spende es, damit auch andere Freude daran haben können."

Franz Preitler

„Ich liebe alte, historische Bücher über die Steiermark. Ich mag diese Bücher gerade deshalb, weil sie eine lange Geschichte haben und von etlichen Personen bereits in Händen gehalten worden sind. Das Buch, das ich am Foto in den Händen halte, ist ein sehr altes Buch – nämlich „Lustige Vorlesungen in steirischer Mundart“ von Peter Rosegger, die vierte, vermehrte Auflage Graz 1907 bei Leykam verlegt. Es ist ein wenig abgegriffen, hat jedoch noch immer einen sehr guten Zustand und auf den ersten Seiten sind die Namen der Personen mit Handschrift eingetragen, die es einst gelesen haben.

Mag sein, dass die Schreibweise nicht mehr so aktuell ist, jedoch den Sinn verlieren diese, meine steirischen Lieblingsbücher nie. Ansonsten lese ich sehr gerne die Bücher meiner Autorenkolleginnen und Autorenkollegen. Ich kaufe die Bücher stets vor Ort in Graz oder in meiner Heimat in Mürzzuschlag. Regional Lesen sowie Einkaufen ist mir ein großes Bedürfnis. Ich bin aber auch ein digitaler Mensch geworden; lese Zeitschriften online und arbeite gerne mit digitalisierten Plattformen, in denen Bücher oder alte Zeitschriften zur Verfügung gestellt werden."

Milan Radin

„In meiner Kindheit gab es keine richtigen Bücher. Unsere Welt war winzig, war leer, die Informationsströme einseitig. Vielleicht habe ich gerade deshalb später all die Sprachen gelernt, so viele Bücher gelesen. Jetzt bin ich frei, jetzt kann ich alleine denken, Ceaușescu und Stalin müssen es nicht mehr für mich tun.

Die Bildung, der freie Zugang zur Kultur, ist das wertvollste Gut unserer heutigen Gesellschaft. In meiner Bibliothek habe ich Werke in zwölf Sprachen und versuche nie zwei Bücher in derselben Sprache hintereinander zu studieren, um die verschiedenen Welten der unterschiedlichen Sprachen zu verinnerlichen. Wann immer es geht, lese ich in der Originalsprache. Denn das Übersetzen einer Welt in eine andere kann im besten Fall eine gute Kopie, nie das Original sein."

Petra Ruprechter-Grofe

„Ich liebe es, in Buchhandlungen zu schmökern. Der besondere Geruch, die verheißungsvolle Atmosphäre, neuer Lesestoff, der darauf wartet, verschlungen zu werden, neue Abenteuer, die erlebt werden möchten. Ich lese kreuz und quer, historische Romane, Biografien, Liebesromane bis hin zu Sachbüchern oder Ratgebern. Dementsprechend sind auch meine Bücherregale bunt bestückt. "

Barbara Stelzl-Marx

„‚Lesen ist Abenteuer im Kopf'“ – eine Postkarte mit dieser Aufschrift stand während meiner Schulzeit lange in meinem Bücherregal. Ich habe immer schon Literatur geliebt und wollte einen Beruf haben, bei dem ich viel mit Büchern zu tun haben würde. Dies ist mir geglückt. Sowohl zu Hause als auch am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung an der Universität Graz bin ich von Büchern umgeben: treue Wegbegleiter und Lese-zeichen, die Phasen der eigenen Biografie, Wellen unterschiedlicher Interessenschwerpunkte dokumentieren."

Rahim Taghizadegan

„Meine Bücherregale fassen mehr als 10.000 Bücher. Ich war immer schon ein Bücherwurm und lese fast ausschließlich Sachbücher aus allen Disziplinen, in der Regel solche abseits der Bestsellerlisten. Die typische Frage an Menschen mit großen Bibliotheken: Hast du schon alle gelesen? Die Antwort: Noch nicht, aber dafür auch viele, die es nicht die physische Bibliothek geschafft haben. Mittlerweile sind die digitalen Regale noch größer und wachsen schneller. Zum Glück habe ich meine Lesegewohnheiten entwickelt, als es noch keine digitalen Ablenkungen gab, so kann ich das Digitale als Erweiterung für meinen Wissensdurst willkommen heißen. Der sentimentale und ästhetische Wert des gedruckten Buches bleibt, vielleicht nimmt er noch zu."

Johannes Wally

„Im Arbeitszimmer meiner Eltern türmten sich meterhohe Bücherregale, und als Kind waren sie mir unheimlich. Ich war mir sicher, dass Bücher ein geheimes Leben führten, dass sie unheimliche Wesen bargen, die sie freiließen, wenn man nicht hinsah, und die sie versteckten, sobald man ihnen den Kopf wieder zuwandte.

Im Verhältnis zu den Bibliotheken, die ich häufig aufsuche, oder auch der Bibliothek meiner Eltern ist meine eigene Bücherwand eher bescheiden. Als Kind wäre sie mir wahrscheinlich nicht unheimlich geworden. Als Erwachsener ist sie mir in jedem Fall heimelig geworden. Über Jahre ist sie angewachsen, denn bei keinem Umzug habe ich es über mich gebracht ein Buch auszusortieren. Und so ist jedes Buch, egal wovon es handelt, immer auch ein Stück weit meine Autobiographie.

Manchmal greife ich wahllos nach einem Buch, um es ebenso wahllos aufzuschlagen. Wie bei einem zufälligen Treffen mit einem alten Bekannten, ist auch diese Begegnung immer ein Grund zur Freude: Entweder, weil man sich wiederbegegnet ist. Oder weil man sich nicht früher wiederbegegnet ist."

 

Wir bedanken uns für den Einblick in die Bücherregale und -wände! Die eigenen Bücher der Autoren und Autorinnen sehen Sie weiter unten unter "Passende Artikel". Viel Freude beim Stöbern!

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