Dietmar Steinbrenner: Die Gier auf der Waagschale

01-Dietmar-Steinbrenner-Gier-Caf-EilesStation 1: Café Eiles
Etwas stimmte nicht mit dem dicklichen Mann, der Ende November 1983 das Eiles betrat, seinen Hut abnahm und kurz innehielt. Der seine Augenlider fest aufeinander presste und den abgestandenen Zigarrenrauch tief einatmete, so als hätte er seit einer Ewigkeit keinen richtigen Atemzug mehr genommen. (S. 7)

 

04-Justizpalast-Dietmar-Steinbrenner-GierStation 2: Der Justizpalast
Hildegard war zu Besserem bestimmt. Sie fühlte sich wohl, wenn sie am Morgen die Stufen zum Haupteingang des Justizpalastes hinaufschritt, vorbei an den zwei gewaltigen, steinernen Löwen, hinein in die riesige, marmorgetäfelte Eingangshalle. Schon das erste Mal, als Hildegard die prächtige Statue der Justitia sah, die in der großen Halle am Kopf einer massiven Treppe thronte, fühlte sie sich zu der steinernen Göttin der Gerechtigkeit hingezogen. Das ganze Gebäude strotzte vor Macht und Größe, und genau hier gehörte Hildegard Chvala hin. Sie wurde mit Begeisterung ein Teil der Gerichtsmaschinerie, in der täglich über die Klagen dutzender ihrer Mitmenschen verfügt wurde. Und dabei spielte sie eine wesentliche Rolle. (S. 10)

 

09-Dietmar-SteinbrenUniversit-t_Franz-JosephStation 3: Die Universität
Es war Herbst 1962, als der achtzehn Jahre alte Franz-Josef Freisinn-Wartenau in Wien am Ring aus einer Straßenbahn ausstieg und vor der Hauptuniversität stand. Er wirkte fast ein bisschen verloren, schmächtig und klein vor den großen, geschwungenen Treppen des Haupteingangs. Er war nervös. Was, wenn seine Mutter sich doch geirrt hatte? Wenn das Studium der Rechtswissenschaften doch nicht seine Bestimmung war und er vielmehr zum Tischler geeignet war? (S. 15)

 

010-Dietmar-Steinbrenner-Gier-BuchfeldgasseStation 4: Buchfeldgasse
„Wie bitte? Du möchtest ausziehen? Aber wieso denn?“

Seine Mutter sah ihn fassungslos an. Nach dem gemeinsamen Abendessen hatte Franz ihr von seinem Vorhaben erzählt, sich eine eigene Wohnung zuzulegen. …

In den nächsten Wochen ging es Schlag auf Schlag. Franz fand eine nette Garçonnière in der Buchfeldgasse, gleich hinter dem liebgewonnenen Café Eiles. Seine Mutter trennte sich ihm zuliebe von einigen Möbelstücken, um ihren Sohn beim Umzug zu unterstützen. Ein Esstisch und zwei Stühle im Stil des Biedermeier, ein massiver Schreibtisch aus dunkel gebeizter Eiche und ein dazu passender ledergepolsterter Sessel übersiedelten mit Franz in die Buchfeldgasse. Der Justizpalast, das Café Eiles und die Garçonnière im Hochparterre bildeten ab nun ein magisches Dreieck, in dem sich die Kreise des Lebens von Gerichtsrat Dr. Franz-Josef Freisinn-Wartenau drehen sollten. (S. 41f.) 

 

011-Dietmar-Steinbrenner-Gier-PiaristengasseStation 5: Piaristengasse
Nach der Rückkehr begab sich Franz auf die Suche nach einer größeren Bleibe, die Garçonnière in der Buchfeldgasse war für zwei Personen weder ausreichend geräumig noch komfortabel. Noch in Venedig hatte Alena versucht, das Thema Kinder anzusprechen. Franz hatte zunächst ausweichend geantwortet, schließlich aber Vaterschaft und die Gründung einer Familie entschieden abgelehnt. Er sei nicht mehr jung genug, er sei viel zu beschäftigt, er brauche nach dem Ende eines langen Verhandlungstages seine Ruhe. Die Wahrheit war, dass er gar nicht wusste, was er mit einem Sohn oder Gott behüte, einer Tochter, anfangen sollte. Der Gedanke, ein Kind zu haben, bereitete ihm Unbehagen. Er brauchte selbst viel Aufmerksamkeit, da hatte so ein kleiner Bengel doch gar keinen Platz. Daher suchte er nicht nach einem Palast, eine halbwegs geräumige Wohnung würde völlig ausreichen. In der Piaristengasse in der Josefstadt fand er schließlich eine standesgemäße Fünfzimmerwohnung im zweiten Stock mit Lift. Der Ausblick von den Schlafzimmerfenstern in den mit alten Bäumen bestandenen Innenhof gefiel Alena, aber Franz schätzte vor allem das Sternparkett im Salon, wo man Einladungen zum Dinner für bis zu zehn Personen planen konnte. Die alten Möbel aus der Buchfeldgasse reichten nur für sein Arbeitszimmer, die restliche Einrichtung überließ er seiner Mutter. (S. 55f.)

 

Station 6: Sonderstrafanstalt Wien-Mittersteig 012-Dietmar-Steinbrenner-GieWien-Mittersteig
Der Gefängnisalltag war in den ersten Tagen ein Schock für Franz gewesen. In der Sonderstrafanstalt Wien-Mittersteig waren hauptsächlich Sexualstraftäter untergebracht. (S. 140)

 

 

 

Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, mehr über Aufstieg und Fall des Richters Franz-Josef Freisinn-Wartenau zu erfahren, dann lassen Sie sich diese Geschichte nach einer wahren Begebenheit nicht entgehen.
Alle Bilder: Leykam Verlag; außer Bild zu 6 (Strafanstalt Wien-Mittersteig): Wikipedia, Robert Heilinger, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en

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