Ein Tor in die digitale Welt unserer Kinder

lukas_wagner_bearbeitetLukas Wagner hat nach seinem Debut mit „Die Generation Digital“ ein neues Buch für Eltern geschrieben. „Unsere Kinder in der digitalen Welt“ geht dabei auch auf neue Phänomene ein, die während des Corona-Lockdowns sichtbar wurden. Das Buch, das im Oktober erschienen ist, ist ein wichtiger Ratgeber für alle, die ihre Kinder bei diesem wichtigen Thema nicht alleine lassen wollen. Wir haben kurz vor Erscheinen des Buches mit Lukas Wagner ein Interview geführt.

Herr Wagner, wenn mein Kind sagt, dass alle in der Klasse Smartphones haben, soll ich ihm dann auch eines kaufen?
Das ist ein verständliches Bedürfnis des Kindes. Smartphones als Tor zur digitalen Welt helfen Kindern dazuzugehören, an Informationen zu kommen und die neuen digitalen Jugendkulturen kennenzulernen. Es empfiehlt sich, gut mit dem Kind zu erarbeiten und zu besprechen, was es mit dem Smartphone machen möchte, was Regeln und Grenzen sind und wie eine gute und positive Nutzung aussehen kann. Die Gefahr, als Einziger in der Klasse ohne Smartphone zu sein, besteht für Kinder auch darin, nicht mehr Teil einer Gruppe sein zu können, Ausschlusserlebnisse können die Folge sein.

Wie könnte ich mich am besten auf den Online-Unterricht vorbereiten, der uns nun teilweise wieder ins Haus steht?
Schaffen Sie einen sicheren digitalen Arbeitsplatz für das Kind. Zahlreiche Tools können dabei helfen, beispielsweise das Tool freedom.to (damit können ablenkende Webseiten wie YouTube und Co. für eine bestimmte Zeit blockiert werden). Achten Sie darauf, dass das Kind sich in einem möglichen Onlineunterricht wohlfühlen kann (was sieht man durch die Webcam? Was möchte ich herzeigen?). Lernen basiert auf Beziehungen: fragen Sie ihr Kind wie nach jedem "normalen" Schultag, wie es heute war, was Spaß gemacht hat, was es gelernt hat und wo es Unterstützung braucht. Machen Sie dem Kind auch Mut, dass es sich bei Unsicherheiten und Problemen jederzeit an Sie wenden kann und keine Sorge vor einer Bestrafung haben muss.

Mein Kind (12 Jahre) verwendet TikTok und Snapchat. Worauf soll ich dabei achten? Oder soll ich das grundsätzlich verbieten?
Beide Apps lassen sich gut und mit wenigen Klicks absichern. Das sollte eine Grundbedingung sein, damit Kinder sie ohne Aufsicht benutzen dürfen. Sie finden entsprechende Anleitungen kostenlos online. Vor allem TikTok genießt aktuell einen schlechten Ruf – nicht ganz zu Unrecht. TikTok überwacht sehr genau die Nutzung und sendet diese Daten auch zu Auswertungszwecken an zahlreiche Unternehmen weiter. Bleiben Sie neugierig, was Ihr Kind auf TikTok macht und fragen Sie immer wieder, ob Sie vielleicht über die Schulter schauen dürfen. Das ermöglicht Einblicke ohne gleich alles kontrollieren zu müssen.

Wie viele Stunden „Handyzeit“ würden Sie als okay sehen? Ab wann wird es kritisch?
Bei Kindern zwischen 6-9 Jahren sind maximal 60 Minuten pro Tag eine Obergrenze. Bei älteren Kindern hängt es mehr von der Art der Handynutzung und den sonstigen Alternativen ab. Wenn ein Kind aktiv Tennis spielt, viel draußen ist und die Schule relativ reibungsfrei läuft, sind auch zwei Stunden Handynutzung am Nachmittag nicht gleich ein Problem. Wenn für das Kind die einzige Form der Freizeitgestaltung die Nutzung des Smartphones ist, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Kritisch wird es immer dann, wenn andere Hobbies zunehmend vernachlässigt werden und Aktivitäten außerhalb der digitalen Welt wenig bis gar nicht mehr wahrgenommen werden.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Ihr neues Buch!

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