Nestroys Jahre in Graz

Als Johann Nepomuk Nestroy 1826 in Graz ankam, rechnete er wohl kaum damit, dass sein Engagement am Ständetheater in Graz seinem Leben eine bedeutende Wende geben würde, beruflich und auch privat.

Der erfolgreiche Theaterleiter Johann August Stöger engagierte Nestroy als Sänger und der begabte Jungstar debütierte als Figaro in »Der Babier von Sevilla«. Nestroy verbrachte die nächsten fünf Jahre am heutigen Schauspielhaus, eine Theaterbühne, die runderneuert und mit einem Fassungsvermögen von rund 1.500 Personen für Nestroy das Sprungbrett in eine beeindruckende Theaterkarriere darstellte. In den Jahren in Graz entfernte Nestroy sich mehr und mehr von den Singrollen und wechselte zu Sprechrollen. Dieser allmähliche Wechsel erlaubte es ihm, sein Profil als Schauspieler zu schärfen und als Komödiant zu debütieren. Gesegnet mit einem phänomenalen Gedächtnis erwarb er sich ein überwältigendes Rollenrepertoire. Seine Text lernte er vielleicht auf dem schönen Schlossberg oder auch in den engen Gassen der Stadt oder auf seinem Weg zum Theater.Nestroy gab sich aber nicht mit der Schauspielerei zufrieden, er erkannte die publikumswirksame Kraft von Possen und Sing- und Zauberstücken und entwickelte in Graz seinen ersten Einakter »Der Zettelträger Papp«, der am 15. 12. 1827 uraufgeführt wurde.

schauspielhausVom Publikum geliebt, von der Kritik wohlwollend beurteilt, blieb Nestroy bis 1831 in Graz, um danach seine Karriere in Wien voranzutreiben und sich als »Theaterberserker« neben Ferdinand Raimund zu einem der erfolgreichsten und wichtigsten Vertretern des Alt-Wiener Volkstheaters zu entwickeln.

Die zweite große Wende fand in seinem Privatleben statt. Nestroy lebte mit seiner Frau Wilhelmine Nespiesni und seinem Sohn Gustav im »Hotel zur Stadt Triest« am östlichen Rand des Jakominiplatzes, der unter den Zeitgenossen als schönster Platz in Graz galt. Wilhelmine fühlte sich in Graz nicht wohl, es zog sie zurück nach Wien und bereits nach einem Jahr verließ sie Nestroy und ihren Sohn Gustav. Wie er seinen Alltag als alleinerziehender Vater meisterte, ist nicht überliefert.
Der vielbeschäftigte Schauspieler und Pendler (zwischen Wien, Pressburg und Graz) lernte am Theater in Graz eine junge Kollegin kennen, die erfolgreiche und beliebte Sängerin Marie Weiler. Ob die Liebelei öffentlich dargestellt wurde oder es heimliche Stelldichein in den engen Grazer Gassen gab, ist nicht überliefert. Aber aus einer Verliebtheit entstand eine lebenslange Beziehung mit drei  Kindern und vielen Höhen und Tiefen - Nestroy war ein notorischer Fremdgänger und Womanizer mit einem ausgeprägten Hang zum Glückspiel – die bis zu seinem Tod hielt.

Wilder MannZwischen 1836 bis1854 kam Nestroy als gefeierter Bühnenstar zu vielen Gastauftritten in Graz und genoss hier die uneingeschränkte Bewunderung des Publikums.

Während der Gastspiele wohnte Nestroy gerne im »Gasthof zum Wilden Mann« (in der Schmiedgasse, dem heutigen Amtshaus). Dort wohnte er unter anderen berühmten Persönlichkeiten wie Friedrich Hebbel, der seine Frau Christine Hebbel-Enghaus zu einem Gastauftritt nach Graz begleitete. Man kann davon ausgehen, dass die Herren sich sehr wohl trafen und miteinander plauderten. Mit der Übernahme des Carltheaters in der Leopoldstadt 1854 fanden die Gastspiele ein Ende.

Das beschauliche und landschaftlich schöne Graz war bei der Beamtenschaft als Alterswohnsitz sehr beliebt. Auch Nestroy kehrte 1860 nach Graz zurück und kaufte sich ein zweistöckiges Haus im gutbürgerlichen Bezirk St. Leonhard, in der Elisabethstraße 765 (heute 14). Als Käuferin trat Marie Weiler auf, beide lebten dort bis zu Nestroys Tod im Jahr 1862.
ElisabethstraßeSein Leben in der »Pensionopolis« beschrieb er in einem Brief an seinen Freund Ernst Stainhauser im Mai 1861 selbstironisch als »stressiges« Pensionistendasein. Nach dem Frühstückstee habe er sich durch alle Zeitungen gelesen und danach einen kurzen Spaziergang gemacht. Nachmittags folgte täglich mit seinen Bekannten eine Partie Tarock im Vereinslokal »Ressource« in der Albrechtgasse und schließlich beschloss er den Tag mit einem Besuch in seinem geliebten Theater.
Nestroy stand in Graz noch am 29. April 1862 auf der Bühne, knapp 4 Wochen später verstarb er.

Wollen Sie mehr über Nestroys Rollenrepertoire und über seine Publikumserfolge in Graz wissen, die Beurteilung der Kritiker im Original lesen oder von seiner größten Angst erfahren? Dann empfiehlt sich die Lektüre von Harald Miesbacher »Nestroy in Graz«.
Fotos: © D.Wesener/Leykamverlag

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