No hard rain’s a-gonna fall: »Entspannung im Kalten Krieg«

Als der Schock der Kuba-Krise und damit die greifbare Gefahr einer weltweiten atomaren Auslöschung in den 60er Jahren langsam verarbeitetet wurde, begann in beiden Blöcken des Kalten Krieges ein Umdenken. Die Bundesrepublik Deutschland rückte mit Rückendeckung durch eine offenere Politik der USA von der Hallstein-Doktrin ab, wonach bei Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur DDR durch Drittstaaten eine wirtschaftliche Zusammenarbeit nicht in Frage kam.

Bereits unter den Regierungen Adenauer, Erhard und Kiesinger war klar, dass man sich damit auch selbst in der wirtschaftlichen Entfaltung behinderte. Ende der 60er Jahre drängte außerdem der damals noch agile Kreml-Chef Leonid Breschnew darauf, die Konsumgüterindustrie der Sowjetwirtschaft anzukurbeln, um nicht weiter hinter den Westen zurückzufallen. Dafür brauchte er aber westliche Devisen und westliches Know-how.

Beides bekam er vor genau fünfzig Jahren mit dem »Moskauer Vertrag« vom August 1970. Breschnews neue »Westpolitik« traf auf Willy Brandts »Ostpolitik«, der die politische und wirtschaftliche Entwicklung der vorhergehenden Jahre auch umsetzte: deutsche Bankkredite und Großröhren gegen sowjetisches Erdgas in einem riesigen Deal, der über zwanzig Jahre lief. Ein Meilenstein der Entspannung, der fünf Jahre später zum KSZE-Vertrag in Helsinki und langfristig zum (zwischenzeitlichen) Ende der Ost-West-Konfrontation führte.

Der Band »Entspannung im Kalten Krieg«, der gerade im Leykam Verlag erschienen ist, zeigt diese Entwicklung vor allem mit neuen hochinteressanten Dokumenten aus den russischen Staatsarchiven, die Michael Borchard und Hanns Jürgen Küsters von der Konrad-Adenauer-Stiftung und Stefan Karner und Peter Ruggenthaler vom Ludwig Boltzmann Institut zugänglich machen konnten. Diese Dokumente werden außerdem auf der neu eingerichteten Seite www.ostpolitik.de auf Deutsch und im russischen Original allgemein zugänglich gemacht.

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Michael Borchard und Stefan Karner bei der Präsentation in Berlin

Der umfangreiche Band mit eingehenden Analysen auch zu den neutralen Staaten Finnland und Österreich und zu den Folgen für die osteuropäischen Staaten wurde soeben in Berlin und Wien mit Beteiligung der russischen Historiker Aleksandr Čubar’jan, Olga Pavlenko und Viktor Iščenko (über Videokonferenz) vorgestellt. Mit dabei waren in Berlin eine Reihe von hervorragenden Historikern, in Wien unter anderem der russische Botschafter Dmitrij Ljubinski und der deutsche Botschafter Ralf Beste.

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Der russische Botschafter Dmitrij Ljubinskij bei der Präsentation in Wien

Ein großartiger Band, der diese aufregende Zeit lebendig und verständlich schildert und vielleicht auch ein wenig mithelfen kann, die neue Eiszeit zwischen West und Ost abzubauen.

» And I’ll tell it and think it and speak it and breathe it
And reflect it from the mountain so all souls can see it«

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