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Christian Schiester - Platz 2 beim Sahara Race

24.10.2009

 

DIE PYRAMIDEN ERSTÜRMT

Christian Schiester beendet als Zweiter das Sahara Race 2009
 
Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein heißes Rennen: 250 Kilometer durch die Sahara brachten die 128 Teilnehmer immer wieder bis an ihre Grenzen und darüber hinaus. Hohe Sanddünen, schier endlose Vulkanebenen und Temperaturen von bis zu 55°C zerrten ebenso an den Kräften wie die starke Konkurrenz. Einige der besten Extremläufer der Welt lieferten sich  im Land der Pharaonen sechs Tage lang ein spannendes Duell um die Spitzenplätze. Am Fuße der Pyramiden von Gizeh stürmte Christian Schiester nach der letzten Etappe als sensationeller Zweiter über die Ziellinie.
 
Es hätte spannender nicht sein können: Aus aller Welt fanden sich die Teilnehmer des Sahara Race Ende Oktober in Ägypten ein, um der Wüste, der Konkurrenz und vor allem sich selbst zu trotzen. Darunter einige der besten Ultrarunner der Welt, wie der Kanadier Mehmet Danis, Sieger des Atacama Crossing 2009, der frühere Deutsche Triathlet Tobias Frenz und der italienische Wüstenspezialist Paolo Barghini – und natürlich Christian Schiester aus der kleinen, winterlichen Alpenrepublik.
 
Von Beginn an entwickelt sich ein offener Schlagabtausch der Topläufer. Viele müssen dem zu hohen Anfangstempo Tribut zollen, so auch Sieganwärter Mehmet Danis und Geheimfavorit Tobias Frenz. Der tiefe Sand und die extreme Hitze zerren an den Kräften der Starter. Bereits nach zwei Tagen müssen viele aufgeben, andere schleppen sich bandagiert, humpelnd oder mit Blasen übersäht weiter. In der vierten Etappe ringt Christian Schiester in einem packenden Schlusssprint Paolo Barghini nieder und holt sich den Tagessieg.
 
Bei Etappe fünf über 87 Kilometer erfolgt der große Showdown: Der Kanadier liegt bereits abgeschlagen zurück. Frenz hat weit über eine Stunde Vorsprung, kann aber bald nur noch gehen. Christian Schiester startet als Drittplatzierter mit einem Polster von 26 Minuten in das Rennen, will seinen Vorsprung auf den Spanier Luis Marcos Silvestre unbedingt verteidigen und sich einen Platz am Siegerpotest sichern. Völlig entkräftet rettet er 2:45 Minuten über die Ziellinie und überholt sogar noch den Deutschen, der auf der langen Etappe fast vier Stunden verliert.
 
Die Sprintetappe zu Fuße der Pyramiden ändert nichts mehr am Ergebnis, denn Christian Schiester erreicht in einem hochklassigen Sahara Race 2009 den sensationellen zweiten Rang: „Es war eine wahre Schlacht! Noch nie habe ich bei einem Extremlauf den Kampf  Mann gegen Mann so intesiv erlebt wie hier. Am Ende haben die bessere Taktik und die größere Standhaftigkeit gesiegt. Manche haben zu viel riskiert und dafür teuer bezahlt! Auch viele Weltklasseläufer blieben vor der Härte der Sahara nicht verschont, umso mehr bin ich auf meinen zweiten Platz stolz!“
 
Auch abseits des Rennens wird es für Christian Schiester in Österreich viel zu erzählen geben: Halsbrecherische Taxifahrten durch Kairo, der Gipfelsturm auf die Cheopspyramide, Schüsse in finsteren Seitenstraßen , die sternenklare Nächte und Regen in der Wüste, sowie die faszinierende Schönheit der Sahara werden zum Thema in seinen Vorträgen sein.
 
Endergebnis nach sechs Etappen (250km)
1. Paolo Barghini (ITA)                        28:14:38
2. Christian Schiester (AUT)     29:28:02 (inkl. 30 Minuten Zeitstrafe wegen verlorenem Schlafsack)
3. Luis Marcos Silvestre (ESP) 29:30:47 (inkl. 15 Minuten Zeitstrafe wegen Abkürzens)           
4. Tobias Frenz (GER)              31:46:38           
5. George Chmiel (USA)          32:20:40
6. Luke Carmichael (GBR)       32:32:34
 
Etappenzeiten Christian Schiester

Nr.
Distanz
Charakteristik
Zeit
Rang
Gesamt
1
34,3
weicher Sand, bizarre Steinsäulen
03:24:19
2.
2.
2
44,0
Salzplatten, harter Sand, erste Sanddünen
05:02:40
3.
3.
3
42,5
Sanddünen, windgepresster u. tiefer Sand, Oase
05:21:49
4.
2.
4
40,5
versteinerte Korallen, harter Untergrund, Felsen
04:24:17
1.
   3. *
5
87,6
Vulkanebenen, Basaltgestein, tiefer Sand
10:44:57
3.
2.
6
1,1
Sand, Pyramiden
     - **
1.
2.
 
250
 
29:28:02
 
2.

* inkl. 30 Minuten Zeitstrafe wegen verlorenen Schlafsacks
** Sprintetappe ohne Zeitnehmung, mit Zeitlimit
 
 
 
 Alle Fotos: Roland Bogensberger
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

2. Tagebucheintrag, 24.10.2009: Schlaflos in Kairo

 
Die Wüste hat ihn wieder: Am vierten Tag nach seiner Ankunft hat sich Christian Schiester aus Kairo verabschiedet und in die Weiten der Sahara aufgemacht – allerdings nicht ganz ohne Probleme:
 
Christian Schiester: Schon vor dem Rennstart hat mich Ägypten ziemlich in Atem gehalten. Gestern habe ich die Pyramiden von Gizeh besucht und bei Sonneuntergang eine spontane „Bergetappe“ gestartet. Am „Gipfel“ der Cheopspyramide bot sich mir in tiefem Abendrot ein atemberabender Ausblick über die Stätte des Weltwunders mitten  zwischen dem Häusermeer Kairos und den Weiten der Sahara.. Die Idylle war allerdings nur von kurzes Dauer. Die heraneilenden Polizisten waren von meinem Gipfelsturm weniger begeistert. Nur durch einen tiefen Griff in die Schmiergeldtasche konnte ich die Bekannschaft mit dem hiesigen Gefängnis vermeiden.
 
Auch danach war an Ruhe nicht zu denken: Eine rasante Fahrt durch ein etwas düsteres Viertel, Schüsse in einer Seitengasse, ein stundenlanges Hubkonzert im nächtlichen Stau und schließlich noch eine ausgelassen Hochzeitsfeier bis in die Morgenstunden mitten im Hotel. Das konnte mich trotzdem nicht von meinem Schlaflager am Balkon abhalten: Auch wenn ich kaum ein Auge zugetan haben, konnte ich meinen selbst erdachten „Ultra-Light-Schlafsack“ - hauchdünn aus Seide inklusive Alu-Biwak – testen. Mit Erfolg:Zwar werde ich in den kalten Wüstennächten des Öfteren frieren, aber so erspare ich mir wieder etwas Gewicht und Platz in meinem Rucksack. Der wiegt jezt tübrigens neun Kilogramm, also um zwei Kilogramm weniger als im letzten Rennen.
 
Müde ging es am Morgen zum Equipment-Check, bei dem es, nach kurzer Diskussion über den Sinn meines Schlafsackes, grünes Licht gab. Etwa zu Mittag sind wir mit dem Bus in Richtung Sahara gestartet, um früh genug im ersten Camp, Farafra, einzutreffen. Aber auch dieses Mal meinte es das Glück nicht gut mit mir: Ein Motorschaden ließ uns drei Stunden am Straßenrand warten, insgesamt sind wir jetzt schon über elf Stunden unterwegs – von Schlaf auch weiterhin keine Spur!
 
Die Wüste kann ich durch das dunkle Fenster nur schemenhaft erkennen. Eines steht jedoch fest: All die Anstrengungen der letzten Tage, der Lärm, der Smog, der Verkehr und die Korruption hier haben eine große Vorfreude in mir geweckt. So konnte ich auch dieser Situation etwas Positives abgewinnen und werde hochmotiviert in ein langes, anstrengendes und definitiv heißes Rennen starten. Die erste Etappe trägt den viel versprechenden Namen „Arabic Night“ – ich bin daher schon sehr gespannt, was micht auf den fast 35 Kilometern erwartet. 
 
Run on, Christian Schiester
 

 

3. Tagebucheintrag, 25.10.2009:  Die weiße Wüste

 
Der Startschuss zum Sahara Race ist gefallen, die erste Etappe absolviert. Wieder zeichnet sich ein spannendes Rennen an der Spitze ab, in dem der Steirer Christian Schiester kräftig mitmischt:
 
Christian Schiester:  Nach einer langen Busfahrt sind wir gestern erst um 01 Uhr morgens im Basislager eingetroffen. Die Nacht war also kurz, vor allem weil sich um 06 Uhr die ersten Frühaufsteher unter den 128 Startern bereits lautstark auf den Start vorbereitet haben. Die Wahl des dünnen Schlafsacks habe ich schon mehrmals bereut, es kühlt hier mitten in der Wüste doch empfindlich ab. Umso mehr konnte ich es kaum erwarten, bis um 9 Uhr endlich der Startschuss fiel.
 
Gleich zu Beginn setzte sich Mehmet Danis, Gewinner des Atacama Crossings, wieder an die Spitze. Wie erwartet wird er wohl mein schärfster Konkurrent werden. Bis zum ersten Checkpoint hab ich ihn spüren lassen, dass ich sein Tempo durchaus mitgehen kann. Danach habe ich mich etwas zurückfallen lassen, um nicht bereits zu Beginn ein kräfteraubendes Duell einzugehen. Auf einer ebenen Fläche ging es fast 25 Kilometer auf feinem, fast orangen Sand in Richtung Norden. Immer wieder tauchten neben der Strecke bizarre Felsformationen und abgestorbene Sträuche auf. Die Hitze schien anfangs noch erträglich, doch ab etwa 11 Uhr kletterten die Temperaturen bereits auf über 40°C. Gleichzeitig machte sich auch ein erstes Ziehen auf meiner Haut bemerkbar, die UV-Strahlung ist offensichtich enorm.
 
Auf den letzten Kilometern entwickelte sich ein Showdown der Verfolger: Im ständigen Positionswechsel duellierten sich Amerika, Deutschland, Spanien, Frankreich und Österreich um die Plätze zwei bis fünf. Die schneeweißen,bizarren Felsformationen mitten im orangen Sand wirkten auf den letzten fünf Kilometern fast surreal. Schließlich erreichte ich mit einer Zeit von 03:24:19 nach 34,3 Kilometern als Zweiter das Ziel. Vor allem der stetige Anstieg im letzten Drittel hat mir bereits auf der ersten Etappe einiges abverlangt. Aber ich konnte meine Vorgabe einhalten: Noch nicht an die Reserven gehen, noch nicht mit offenen Karten spielen, aber den Rückstand nicht zu groß werden lassen. Das Rennen wird erst auf den letzten beiden Etappen entschieden, bis dahin werde ich mich tunlichst zurückhalten. Fehler werden hier hart bestraft und Selbstüberschätzung kann böse enden.
 
Morgen beträgt die Distanz bereits 44 Kilometer, mehr als ein Marathon also. Wir verlassen langsam die ebene, weiße Wüste und werden Bekanntschaft mit den ersten Sanddünen machen. Darauf freue ich mich, solche Kraftetappen liegen mit besonders.
 
Run on, Christian Schiester
 
Ranking nach Etappe 1
1. Mehmet Danis (CAN)          3:14:39            
2. Christian Schiester (AUT)     3:24:19            
3. Tobias Frenz (GER)             3:26:15            
4. Luis Marcos Silvestre (ESP) 3:54:59            
5. George Chemiel (USA)         4:02:00 
 

 

4. Tagebucheintrag, 26.10.2009:  Fata Morgana und böses Erwachen

 
Die zweite Etappe führte die Starter tief in die Wüste. Am Grat der Sanddünen entlang ging es kräfteraubend  in Richtung Ziel, wo auf Christian Schiester jedoch eine böse Überraschung wartete:  
 
Christian Schiester:  Heute fiel um 08 Uhr der Startschuss zur zweiten Etappe. Nach den ersten Kilometern verließen wir langsam die weiße Wüste mit ihren bizarren Steinformationen. Gleich zu Beginn setzte sich das Spitzentrio ab und näherte sich Schritt für Schritt den sandigen Weiten der Sahara. Kurz vor dem ersten Checkpoint unternahm ich einige Attacken und konnte mich ein Stück absetzen. Mein Plan ging auf: Mehmet Danis und Tobias Frenz konterten und duellierten sich ständig um die Führung. Ich ließ mich wieder auf mein Tempo zurückfallen und beobachtete das Geschehen aus sicherer Entfernung, um mich ja nicht zu einem Kräftemessen hinreissen zu lassen.
 
Nach etwa 20 Kilometern kamen die ersten Sanddünen in Sichtweite. Mittlerweile liefen wir auf tiefem Sand und die Sonne näherte sich dem Zenit. Die Hitze war auf dem reflektierenden Boden teilweise fast unerträglich, nur der Wind verschaffte hin und wieder Abkühlung. Die Luftspiegelung gaukelten mir in der Ferne immer wieder Oasen, Palmen und Wasser her – wohl eine Mischung aus Fata Morgana und Wunschdenken.
 
Schließlich erreichten wir die Sanddünen. Über den Grat, manchmal zu schmal, um darauf laufen zu können, ging es bergauf und bergabin Richtung Camp, das sich bereits am Horizont abzeichnete. Teilweise war es so steil, dass das Laufen fast unmöglich wurde und man bei jedem Schritt wieder zurückrutschte – eine sehr kräfteraubenede Angelegenheit und der bisher anstrengenste Teil des Sahara Race.
 
Nach 44,2 Kilometern erreichte ich als Dritter mit einer Zeit von xxx das Ziel. Danis und Frenz haben sich bis zuletzt um den Etappensieg gematcht und damit sicherlich viel Kraft verbraucht. Ich bin meiner Taktik treu geblieben und noch nicht an meine Reserven gegangen. Zufrieden marschierte ich in das Zelt, wo es für mich – nach Behandlung meiner ersten Blasen – ein böses Erwachen gab: Bei einem Sturz habe ich unbemerkt meinen Schlafsack verloren. Somit blieben mir nur zwei Möglichkeiten: 35 Kilometer zurücklaufen und zu suchen, oder eine Zeitstrafe und sehr kalte Näche in Kauf zu nehmen. Ich entschied mich für die zweite Variante. Ein Zeit lang habe ich mich natürlich sehr darüber geärgert. Aber das hilft mir jetzt auch nicht weiter. Daher: Selbst schuld, abhaken und mit „Jetzt erst recht!“ in die dritte Etappe gehen - zuvor aber natürlich die nächtlichen Temperaturen von etwa fünf Grad überstehen. Über den Ausmaß der Zeitstrafe wird erst morgen entschieden.
 
Run on, Christian Schiester
 
 
Ranking nach Etappe 2
1. Mehmet Danis (CAN)          8:05:43 
2. Tobias Frenz (GER)              8:18:57 
3. Christian Schiester (AUT)     8:26:59 
4. Luis Marcos Silvestre (ESP) 9:03:06 
5. Paolo Barghini (ITA)                        9:14:45
6. George Chemiel (USA)         9:29:39

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13.06.2019, 19.00 Uhr, Zeughaus, Herrengasse, Graz
13.06.2019, 19:00 Uhr, Stmk. Landesbibliothek, Kalchberggasse 2 / Joanneumsviertel, 8010 Graz
21.06.2019, 19.00 Uhr, Klosterruine Arnoldstein/Dreilndereck, Klosterweg 1, 9601 Arnoldstein
26.06.2019, 19.30 Uhr, Schloss St. Martin in Graz
10.07.2019, 19.00 Uhr Stadtbibliothek Graz Nord, Theodor-Krner-Strae 59, 8010 Graz
01.08.2019, 18.00 Uhr, Heldenkapelle Alpl, Alpl 536, 8671 Alpl

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