Nachgefragt bei Lisa Aigelsperger

Wie kam es zur Idee, über den Jungen Fynn eine Geschichte zu erzählen?

Die Idee zu einem Buch ist über einen Dialog mit meinem Sohn entstanden:
„Wir müssen da lang, mein Spatz – Ich bin ein Tiger. Grrr…“
Ich wollte eine Geschichte über einen Jungen erzählen, der ganz selbstverständlich Dinge sieht und sagt, die für uns Erwachsene nicht selbstverständlich sind. Ich mag diese behauptende, manchmal auch trotzige Art bei Kindern, das etwas so ist, auch wenn es das ganz augenscheinlich nicht ist. Sie lassen sich nicht beirren.

Die Geschichte über einen Jungen zu schreiben, der mit einem Verlust klarkommen muss, hat auch mit unserem alten Hund zu tun und ist inspiriert von Henning Mankells „Ein Kater schwarz wie die Nacht“. Das ist eine sehr schöne, aber auch unendlich traurige Geschichte, und bis heute gehört dieses Buch zu meinen Lieblingsbüchern. Schwierige Themen beschäftigen Kinder auf eine besondere Weise. Deswegen ist Fynn ein Abenteurer in seiner Fantasie. Er selbst kann jedes Tier sein, und deswegen können ein Hund oder ein Baumstamm dann auch etwas anders sein. Das gibt ihm selbst Kraft und dadurch hat seine Fantasie eine ansteckende Wirkung.

Nun sind bereits zwei Bücher in Fertigstellung, ist schon klar, wie viele es insgesamt werden könnten?

Für die Reihe „was wir mit dem Herzen sehen“ sind zunächst drei Bücher vorgesehen. Der dritte Band ist bereits in Arbeit und trägt den Arbeitstitel Panzerschloss. Der erwachsene Fynn wird zum Geschichtenerzähler und wird in seiner Geschichte selbst wieder zum Kind.

Ihre Arbeit am Theater hat ja auch mit Geschichten zu tun, was ist denn wichtig, wenn man für Kinder eine Erzählung entwirft?

Wichtig sind einfache Erzählstränge, denen die Kinder folgen, was nicht heißt, dass sie nicht tiefgründig sein können. Am wichtigsten ist die Begegnung auf Augenhöhe. Dialoge oder Handlungen dürfen nicht belehrend wirken. Kinder lieben Figuren, die anders sind, frecher und mutiger. Ein starker kindlicher Hauptcharakter, mit dem sich Kinder identifizieren, oder auf dessen Seite sie sich schlagen, ist unumgänglich für eine gute Erzählung.

Wie kam der Kontakt mit dem Leykamverlag zustande?

Ich lebe seit einiger Zeit wieder in Graz, und da ist der Leykamverlag allgemein bekannt.
Unsere Bücher unterscheiden sich von bunten und knalligen Kinderbüchern. Sie behandeln Themen wie Verlust und Fremdsein und folgen mit ihrem Malstil und den matten Farben eher einer künstlerischen Ästhetik. Wir haben gehofft, dass das zu Leykam passt, einem Verlag mit langer Tradition in der Vermittlung von Literatur und Kunst. Wir schätzen den Verlag auch besonders wegen seines Engagements für ein Sozialprojekt, das uns besonders am Herzen liegt.

Daher haben wir das Manuskript und zwei Beispielillustrationen beim Leykamverlag auf „gut Glück“ eingereicht und gehofft.

Welche Kinderbücher lasen oder lesen Sie selbst besonders gerne?

Das waren meine geliebten Bücher und sind es auch jetzt noch: Wo die wilden Kerle wohnen, Das kleine ich bin Ich, Lollo, Die Geggis… Die Märchen von Christian Anderson mochte ich auch sehr gerne, wie auch die Gedichte von Christian Morgenstern oder von James Krüss Der gereimte Löwe, Geschichten von Astrid Lindgren und Erich Kästner und natürlich Janosch. Diese Bücher lese ich auch meinem Sohn vor, neben neueren, zum Beispiel von Rachel Bright oder Heinz Janisch.

Etwas älter habe ich besonders gerne die Kinderbücher von Henning Mankell und Cornelia Funke gelesen. Ich lese gerne Kinderbücher, die auch für Erwachsene einen Mehrwert haben, dabei müssen sie nicht immer den neuesten pädagogischen Standpunkt vertreten, weil Kinder ohnehin anders ticken als Erwachsene.

Testen Sie Ihre Geschichten daheim in der eigenen Familie?

Ja, ich habe sie allen Kindern in meinem Umkreis vorgelesen. Die Kinder sind zwischen drei und zehn Jahre alt. Jedes Kind hat etwas Anderes für sich gefunden. Bei „Wolkendrache“ zum Beispiel war es für meinen dreijährigen Sohn die Verwandlung, die ihn beeindruckt hat. Er wollte allerdings dann, dass sich der Drache wieder zurück in einen Hund verwandelt. Geht leider nicht, oder vielleicht doch?

Was haben Sie an Häusern wie dem Rabenhoftheater, dem Thalia Theater oder dem Next Liberty gelernt, was Ihnen nun beim Schreiben hilft?

Theater ist ein Ort der Kreativität. Es gibt viel Raum zum Ausprobieren, Ideen werden verworfen und wieder neu entwickelt. Am Rabenhof habe ich definitiv gelernt: „Mehr Rock ‘n Roll“ – das heißt, auch die grauslichen Seiten des Lebens zeigen, direkte Konfrontation, dem Publikum den Spiegel vorhalten und keine Gedanken daran verschwenden, was andere davon halten, und das alles mit einer gewissen Selbstironie. Am Rabenhof habe ich auch viel über das Leben gelernt. An den anderen Theatern ging es viel um Textarbeit, wie zum Beispiel an Texten von Elfriede Jelinek oder Sybille Berg. Jelinek Texte zum Beispiel haben keine übliche lineare Geschichte, es sind oft kritische Gedanken, Texte die förmlich alleine stehen und erst am Theater in einen Kontext gesetzt werden.

Das Next Liberty hat mir den Zugang zu Kindern und Jugendlichen eröffnet. Es hat mir verdeutlicht wie wichtig ernstes und gutes Kindertheater ist, wie man Kinder erreicht, welche Geschichten, welche Figuren, auch welche Sprache interessieren.

Wie lange haben Sie an den beiden Büchern gearbeitet?

So genau kann ich das gar nicht sagen. Begonnen zu schreiben habe ich im Dezember 2019. Beatrice und ich haben neben unserer Arbeit am Next Liberty dann über Monate daran gearbeitet. Besonders viel Zeit habe ich mit dem Layout für einen Prototyp für das erste Buch „Wolkendrache“ verbracht.

Wie geht die Zusammenarbeit mit der Illustratorin Beatrice Cozzolino über die Bühne?
Diskutieren Sie über die Figuren?

Die Zusammenarbeit ist besonders. Sie läuft mehr über eine gemeinsame Ästhetik und letztendlich vielleicht auch über eine ähnliche Gefühlswelt ab. Wir müssen nicht viel darüber sprechen. Das ist ein schöner Zufall, da wir uns noch nicht lange kennen und das auch nur über die Arbeit am Next Liberty.

Beatrice zeichnet so, wie ich es tun würde, wenn ich es könnte. Bei beiden Geschichten habe ich kurz erzählt, worum es geht und was in den Szenen passiert. Sie ist Italienerin und wir sprechen miteinander Englisch. Zum Beispiel habe ich ihr zu Lamia nur gesagt, dass das Mädchen fremd in einem Land ist und dass mir ihre Gefühlswelt wichtig ist. Sie hat Skizzen entworfen und meine Anliegen unter anderem in wunderschöne unterschiedliche Close Up Illustrationen übersetzt.

Unsere Buchempfehlung zu diesem Interview:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.